Hast du keine Angst?

Eine Frage die mir in den letzten Monaten oft gestellt wurde. Da auf meiner letzten Reise alles wie geschmiert lief, gab ich immer die gleiche Antwort. Zu 100% in Sicherheit kann man sich sowieso nie wissen, weder in Linz, in Barcelona oder in Paris, auch nicht im Bauerndorf bei Oma, also warum sich darüber den Kopf zerbrechen? An die Tatsache, dass nicht alles immer rund läuft und Pläne scheitern habe ich dabei keinen Gedanken verschwendet. Vielleicht hatte ich bisher einfach eine Menge Glück, bis ich meine Frankreichreise antritt.

Lasst es mich so formulieren, ich hatte einen Plan. Bis dieser wortwörtlich in’s Wasser fiel, oder besser gesagt in den Schnee. Erzählungen zulaute hat in Paris seit gut fünf Jahren niemand Schnee gesehen, umso überraschter war ich als sich mein Flugzeug am Flughafen Orly ruckelig in einer von Schnee bedeckten Landebahn absetzte. Zu diesem Zeitpunkt war mir das aber nicht sonderlich wichtig, denn ich wusste es geht in’s nächste Abenteuer für mich, auf das ich mich mit jeder Zelle meines Körpers freute. Ausgestiegen, mit meinem kleinen Handgepäckskoffer, der für die nächsten fünf bis sechs Wochen reichen soll, mich durchgefragt, wie ich zum Bus komme, ein Ticket für 12€ gekauft und raus zur Haltestelle. Vergeblich gewartet, obwohl ich ohnehin schon Zeitdruck hatte, den Zug zu erwischen. Nach einer Weile wurde ich ungeduldig und hab eben mal nachgefragt. Die Neuigkeiten waren mehr schlecht als recht, der Bus fährt nicht, wegen dem Schnee. Meine Gefühle konnten sich momentan nicht entscheiden ob ich amüsiert darüber bin, dass der ganze Verkehr wegen ein paar Schneeflocken ausfällt, oder ob ich in Panik geraten soll. Mein Plan B, der zuerst nicht existierte, war stattdessen die Straßenbahn zu nehmen. Glücklicherweise lernte ich einen netten Boy kennen, dessen Vater in Paris lebt und der auch dasselbe Ziel hatte, also sind wir gemeinsam weiter. Jetzt kommt die glückliche Wende und ich erwische den Zug und komme wie ausgemacht bei meiner Gastfamilie an, oder? Äh, nicht ganz. Trotzdem hatte ich das Glück, dass eine Freundin meiner Mama mich für eine Nacht aufnehmen konnte. Sie holte mich von der Haltestelle ab, in die ich viel zu spät eintraf, wegen dem Schnee natürlich, was sonst.

Und damit kommen wir zu heute. Sie musste arbeiten, also zog ich alleine los, mit meinem U-Bahn-Plan und meinem Handy, ohne dass ich wahrscheinlich aufgeschmissen wäre. Abgesehen von der Tatsache, dass alle U-Bahnen enorme Verspätung hatten, lief anfangs alles super. Ich kam wie angestrebt beim Eiffelturm an. Drei Fotos geknipst, wie man das eben so macht, und promt hat sich mein Handy ausgeschalten. Mit 85% Akku, läuft. So um die Mittagszeit also, als ich keine Chance mehr auf eine Navigation zum Museum hatte, dass ich vorhatte mir anzusehen. Da ich wusste, dass es irgendwo in der Nähe sein muss, folgte ich einfach den Schildern, die an einem gewissen Punkt einfach aufhörten. Da stand ich also, ohne Sinn für Zeit oder Orientierung. Wer mich kennt, weiß wie überragend mein Orientierungssinn ist. Von der Schönheit der angezuckerten Stadt überwältigt, sträubte ich mich aber nicht dagegen. Ich nahm es hin wie es war und beschloss stattdessen einen kleinen Spaziergang zu machen. Plötzlich hieß es sich den Weg selbst merken, Straßennahmen, Geschäfte, und glücklicherweise den Eiffelturm als Orientierungspunkt, der ja schwer zu übersehen ist. Das einzige, das ich richtig scheisse fand, war, dass ich keine Möglichkeit hatte, die schönen Bilder in meinem Kopf auf Fotos festzuhalten. Also müsst ihr euch eben mit diesen beiden Bilder begnügen. Besser als nichts und ich komme definitiv zurück in diese beeindruckende Stadt!

Eiffelturm

Danach war ich so erfroren, dass ich in das erstbeste Café ging, dass mir gefiel. Nun gut, recht viel nachgedacht habe ich dabei auch nicht, bis ich die Rechnung für meine heiße Schokolade sah. 6,30€ im Café Kleber. Kein Wunder, gleich neben dem Eiffelturm, inmitten von Paris. Dafür kann ich euch ohne schlechtes Gewissen versichern, dass ich in meinem Leben noch nie so eine gute heiße Schokolade getrunken habe. Ich nahm mein Kindle aus meiner Tasche, las vor mich hin, trank mein leckeres Heißgetränk, schaute vom Fenster aus den Schneeflocken zu, wie sie herumtanzten und sich auf den Köpfen der vorbeilaufenden Leute niederließen und lauschte den französischen Gesprächen, von denen ich kein Wort verstand, die aber trotzdem einfach schön klangen. Dann las ich einen kleinen Absatz aus dem Buch „Wild“ von Cheryl Strayed der mir bewusst machte, warum ich keine Angst habe. Keine Angst mich zu verlaufen oder einen Zug zu verpassen. Keine Angst, dass mein Handy alias Orientierungshilfe und Notfallkontakthalter mich im Stich lässt oder ich jemanden begegne, den ich im Nachhinein lieber nicht begegnet wäre, während ich allein durch die Straßen von Großstädten laufe.

„Fear, to a great extent, is born of a story we tell ourselves, and so I chose to tell myself a different story from the one women are told. I decided I was safe. I was strong. I was brave. Nothing could vanquish me. Insisting on this story was a form of mind control, but for the most part, it worked.“  

Auch bei all den Dingen die in den letzten zwei Tagen passiert sind, war ich vollkommen ruhig und genau so werde ich auch weitermachen. Ich gehe lieber ein Risiko ein, anstatt mir eine unglaubliche Chance zu verbauen. Deshalb werde ich die Entscheidung alleine auf Reisen zu gehen wohl nie bereuen. Sechs meiner Meinung überzeugende Gründe dafür, habe ich schon in diesem Blogpost aufgezählt. Es geht aber nicht immer nur um’s Reisen, sondern generell darum sich aus seiner Komfortzone heraus zu wagen und Neues zu probieren. Wie seht ihr das? 🙂

Ein Kommentar zu „Hast du keine Angst?

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